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Interview Ewald Nowotny

Stabilität des Euro in Gefahr?

Fragen an Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB)

Kann aufgrund der hohen Schulden in einzelnen Euroländern die Stabilität des Euro insgesamt in Gefahr geraten?

Nein – die "Stabilität des Euro", definiert als Preisstabilität, wird durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank bestimmt. Die Europäische Zentralbank definiert Preisstabilität als eine Veränderung des Verbraucherpreisindex nicht über, aber knapp bei 2 Prozent.

   
In den vergangenen zehn Jahren betrug die durchschnittliche Inflationsrate im Euroraum 1,9 Prozent. Die EZB wird diese erfolgreiche Stabilitätspolitik auch in Zukunft fortsetzen.

Bezüglich der Entwicklung der öffentlichen Schulden befinden sich die übrigen Länder des gemeinsamen Währungsgebiets aus heutiger Sicht keineswegs in einer ähnlich extremen Lage wie Griechenland. Speziell andere südeuropäische Länder werden hier fälschlicherweise immer wieder pauschal zusammengeworfen. Griechenland aber hat nicht nur ein massives Finanz-, sondern auch ein Glaubwürdigkeitsproblem - auf Grund von mangelhaften Statistiken. Man muss also sehen, dass Griechenland ein spezieller Fall ist.

Die griechische Ökonomie repräsentiert aber nur einen sehr kleinen Teil der Eurozone und kann meines Erachtens die Währungsunion als Ganzes daher nicht gefährden, sofern die entsprechenden Reformen rasch und effizient umgesetzt werden.

Besteht eine reale Gefahr, dass Griechenland – oder auch andere Länder – aus dem Euroraum ausscheiden?

Die Probleme in Griechenland haben in den letzten Wochen zu Spekulationen über ein mögliches Ende der Europäischen Währungsunion geführt. Dass Griechenland tatsächlich aus der Eurozone austritt, ist aber ein absolut unrealistisches Szenario. Der Euro dient besonders in der Krise als Schutzschild, etwa gegen Währungsspekulationen. Es ist daher auch und besonders im Interesse von Ländern, die hohe Defizite angehäuft haben, Teil der Eurozone zu bleiben.

Ein Ausscheiden wäre möglicherweise von massiven Währungsspekulationen begleitet, was die wirtschaftliche Lage noch weiter destabilisieren würde, und ein Land wie Griechenland käme dann unter noch größeren Druck.

Die Europäische Währungsunion ist aber auch für alle anderen "Euro-Staaten" von größter Bedeutung als Stabilitätsanker des Europäischen Binnenmarktes – von dem wieder speziell Staaten mit Leistungsbilanzüberschüssen, wie etwa Deutschland, in besonderem Maß profitieren.